Vor 175 Jahren: Fertigstellung und Ablieferung der ersten Lok durch Richard Hartmann
von Wolfgang Uhlmann

Zeichnung der ersten Hartmann-Lokomotive "Glückauf"

Das 19. Jahrhundert ist in die Geschichte auch als „Jahrhundert des Eisenbahnbaus“ eingegangen. In Sachsen begannen damals vier Firmen mit dem Bau von Lokomotiven; neben Andreas Schubert in Dresden-Übigau waren es in Chemnitz die Sächsische Maschinenbau-Compagnie, Carl August Rabenstein und Richard Hartmann. Während bei den drei zuerst Genannten der Lokomotivbau nur eine Episode blieb, wurde er bei Hartmann zeitweise zum bedeutendsten Produktionszweig.
Zunächst waren die Lokomotiven Einzelanfertigung und damit deren Herstellung wenig profitabel, deshalb plante Hartmann mehrere Lokomotiven gleichzeitig herzustellen. Dieses Vorhaben teilt er 1845 dem sächsischen Staat mit. Darüber hinaus informierte er die Regierung darüber, dass er zur Aufnahme des Lokomotivbaus schon materielle und personelle Vorbereitungen getroffen habe: Kauf einer großen und einer kleinen Hobelmaschine, einer großen Drehbank für Lokomotivräder, einer großen und einer kleinen Vorgelegedrehbank, Anwerbung eines Konstrukteurs (des Ingenieurs Steinmetz), eines Werkführers, eines Monteurs und mehrerer Arbeiter, alle aus Mühlhausen/Elsass. In seinem Schreiben streute er auch kritische Bemerkungen über die beiden Chemnitzer Lokomotivbaufirmen, Maschinenbau-Compagnie und A. Rabenstein, ein, die seiner Meinung nach mit „beschränkten Hilfsmitteln (in) dieser Branche“ arbeiten würden. Zur Verwirklichung seines Vorhabens ersuchte er die Regierung um einen Kredit von 40.000 Talern. Eine so hohe Summe hatte bisher noch kein Chemnitzer Unternehmer erhalten. Hartmann bekam den Kredit zwar nicht in gewünschter Höhe, aber dafür 30.000 Taler zinsfrei auf fünf Jahre. Nach einer Studienreise mit Steinmetz nach England erweiterte er seine Werkstätten: 1846 entstanden eine Eisengießerei und eine neue Schmiede. 1847 begann er mit dem Bau der ersten Lokomotive, die im Januar 1848 fertiggestellt wurde.
Da Chemnitz zu diesem Zeitpunkt noch über keinen Gleisanschluss verfügte, wurde die Lokomotive teilweise demontiert, auf Pferdefuhrwerken nach Leipzig gebracht und dort wieder montiert. Nach einer Probefahrt mit Richard Hartmann auf dem Führerstand erfolgte am 7. Februar 1848 die Übergabe der Lokomotive mit dem Namen „Glückauf“ an die Sächsisch-Bayrische Staatseisenbahn.

Literatur:
Günther Reiche: Richard Hartmann und seine Lokomotiven, Leonberg 1998.
Wolfgang Uhlmann: Richard Hartmann Zeugschmied – Maschinenbauer – Millionär – sächsischer Lokomotivkönig. Chemnitzer Roland 16 (2009), 13. Beiheft, Chemnitz 2009.

 

 
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