Vor 30 Jahren begann der Aufbau des Industriemuseums Chemnitz

von Dr. Wolfgang Uhlmann

Das erste Domizil des Industriemuseums an der Annaberger Straße

Am 1. Juli 1991 begann der aus 17 Personen bestehende Aufbaustab Industriemuseum Chemnitz unter der Leitung von Dr. Klaus Müller (+) mit der Arbeit. Damit erfüllte sich eine Forderung Chemnitzer Wissenschaftler und Techniker, für die sie seit 1827 eingetreten waren. In jenem Jahr äußerten sieben Chemnitzer Industrielle bei einer Befragung erstmals den Wunsch nach einer solchen Einrichtung, damals noch als „Modellsammlung und Musterinstitut“ bezeichnet. Dieser Wunsch ging ebenso wenig in Erfüllung, wie die weiteren Vorstöße 1859, 1862 und 1863. Eine vom Bürgermeister Müller für den 25. Juli 1864 angesetzte und von ihm geleitete Beratungsrunde zur Museumsfrage fasste keinen Beschluss. Die Chemnitzer bekamen das erhoffte Museum nicht - noch nicht.

Immerhin sind zwei kleine Meilensteine noch während des 19. Jahrhunderts auf dem Weg zum Industriemuseum zu registrieren: Das 1877 eröffnete Gewerbemuseum des Chemnitzer Handwerkervereins sowie 1898 die Muster- und Vorbildersammlung der Textilindustriellen. Nachfolgende Generationen gaben sich mit dem bestehenden Zustand zufrieden und unternahmen keine weiteren Schritte. Erst in den 1960/1970 Jahren brachten Techniker und Wissenschaftler, insbesondere Mitglieder der Kammer der Technik, die Museumsidee erneut ins Gespräch. 1972 beschloss die SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt den Aufbau eines „Museums der Produktivkräfte“. Zur Umsetzung dieser Aufgaben wurden „alle wirtschaftsleitenden Organe, Betriebe, Einrichtungen, gesellschaftliche Organisationen … aufgerufen, ihre Vorschläge, Gedanken, und Hinweise zur Mitarbeit an dieser Sammlung zu unterbreiten.“ Mitarbeiter der damaligen Technischen Hochschule, von Forschungseinrichtungen und der Kammer der Technik begannen, Konzepte für das künftige Museum zu erarbeiten. Doch letztlich konnten die nötigen finanziellen Mittel nicht bereitgestellt werden, so kam es nicht zu dem angestrebten Museum.

Das Gebäude beherbergte ursprünglich die Gießerei C. A. Richter.

Die Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion im Sommer 1990 von DDR und BRD führte zu massenhaften Produktionseinstellungen, Betriebsschließungen in den neuen Bundesländern. Das war verbunden mit der Aussonderung und Vernichtung historisch wertvoller Maschinen und Produktionsanlagen. Das rief erneut die Verfechter eines Industriemuseums auf den Plan. Sie gründeten im Frühjahr 1990 den „Förderverein Industriemuseum Chemnitz“. Der Appell: „Rettet das industrielle Kulturerbe der Region!“ blieb nicht ungehört und führte letztlich dazu, dass am 1. Juli 1991 der Aufbaustab Industriemuseum in der ehemaligen Lehrgießerei an der Annaberger Straße mit seiner Tätigkeit beginnen konnte. Wenige Wochen später, am 28. August, beschlossen die Stadtverordneten die Gründung eines Industriemuseums.

Die Museumsmannschaft, alle auf ABM-Basis beschäftigt, stand vor vielfältigen Aufgaben: Instandsetzung des Hauses, Sammlung von Sachzeugen und deren Restaurierung, Aufbau einer Bibliothek und Fotothek und letztlich Vorbereitung einer Ausstellung.

Am 27. März 1992 begann das Museum mit der Ausstellungstätigkeit. Mit der Informationsausstellung auf 93m² erhielten die Chemnitzer erstmals Einblick in die Arbeit des Museums.

 
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